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Inhaltsverzeichnis
Förderungen für die Digitalisierung im Handwerk — Diese Programme gibt es
Digitalisierung kostet Geld — das stimmt. Aber was viele Handwerksbetriebe nicht wissen: Der Staat gibt einen ordentlichen Teil davon zurück. Es gibt Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene, die speziell kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Zuschüsse von 30 bis 50 Prozent der Kosten sind keine Seltenheit.
Das Problem: Die Förderlandschaft ist unübersichtlich. Programme ändern sich jährlich, Antragsfristen werden verschoben, und jedes Bundesland hat eigene Töpfe. Dieser Artikel gibt dir einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Förderprogramme für Handwerksbetriebe — Stand Anfang 2026.
!WARNING Förderprogramme ändern sich regelmäßig. Budgets werden ausgeschöpft, Programme laufen aus oder werden neu aufgelegt. Dieser Artikel gibt den Stand von September 2026 wieder. Prüfe vor der Antragstellung immer die aktuelle Verfügbarkeit auf den offiziellen Websites der Fördergeber (foerderdatenbank.de) oder bei deiner Handwerkskammer. Dies ist keine Förder- oder Rechtsberatung.
Was kann überhaupt gefördert werden?
Bevor wir die einzelnen Programme durchgehen, ein Überblick, was typischerweise förderfähig ist:
Software und Lizenzen
- Branchensoftware (Zeiterfassung, Rechnungsstellung, Projektplanung)
- ERP-Systeme und CRM-Lösungen
- Cloud-Dienste und SaaS-Abonnements (oft für 12-24 Monate)
- E-Rechnung-Software (ZUGFeRD, XRechnung)
- Dokumentenmanagement-Systeme
Hardware
- Tablets und Laptops für den Baustelleneinsatz
- Zeiterfassungsterminals
- Server und Netzwerkinfrastruktur
- Scanner und Drucker für digitale Workflows
Beratung und Schulung
- IT-Beratung und Digitalisierungsstrategie
- Mitarbeiterschulungen für neue Software
- Datenschutzberatung im Kontext der Digitalisierung
- Prozessanalyse und Optimierung
Nicht förderfähig (in der Regel)
- Standardhardware (normaler Büro-PC ohne Digitalisierungsbezug)
- Laufende Betriebskosten
- Eigenleistungen
- Investitionen, die vor der Förderzusage getätigt wurden
!TIPGoldene Regel: Kaufe nichts, bevor du die Förderzusage hast. Rückwirkende Förderung ist bei fast allen Programmen ausgeschlossen. Zuerst den Antrag stellen, auf die Bewilligung warten, dann investieren.
Die wichtigsten Bundesprogramme
!WARNINGAusgelaufen — das gibt es nicht mehr: Das Zuschussprogramm „Digital Jetzt" des Bundes endete am 31.12.2023, das BAFA-Beratungsprogramm „go-digital" wurde ebenfalls eingestellt (die Programmseiten sind offline). Einen offiziellen Nachfolge-Zuschuss des Bundes — etwa ein „Digital Jetzt 2.0" — gibt es aktuell nicht; kursierende Angaben dazu sind nicht offiziell belegt. Direkte Zuschüsse kommen heute vor allem von den Ländern (siehe unten). Auf Bundesebene bleiben KfW-Förderkredite und die kostenlose Beratung der Mittelstand-Digital Zentren. Stand: September 2026.
1. Mittelstand-Digital Zentren — kostenlose Beratung (Bund)
Als Anlaufstelle für herstellerneutrale Orientierung hat der Bund die Mittelstand-Digital Zentren aufgebaut — darunter ein eigenes Zentrum Handwerk. Sie unterstützen kleine und mittlere Betriebe bundesweit kostenlos bei der Digitalisierung.
- Wer: KMU und ausdrücklich Handwerksbetriebe, bundesweit
- Was: Neutrale Beratung, Wissenstransfer, Praxis-Demonstratoren zum Ausprobieren (kein Geldzuschuss)
- Kosten: kostenfrei
- Für Handwerksbetriebe interessant, weil: Du bekommst herstellerneutrale Orientierung, bevor du investierst — ideal, wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst. Anlaufstellen findest du über mittelstand-digital.de und das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk.
Ergänzend hilft die Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand (it-sicherheit-in-der-wirtschaft.de) kostenlos bei Fragen rund um IT-Sicherheit.
2. KfW-Kredite für Digitalisierung
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite für Investitionen in die Digitalisierung. Das sind keine Zuschüsse, sondern Darlehen — aber zu deutlich besseren Konditionen als am freien Markt.
Relevante Programme:
- ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit (Programm 380/390): Bis zu 25 Mio. Euro für Digitalisierungsinvestitionen. Für Handwerksbetriebe relevant bei größeren Vorhaben (z. B. komplett neue IT-Infrastruktur).
- ERP-Gründerkredit (Programm 058/068): Für junge Unternehmen (bis 5 Jahre nach Gründung), die in Digitalisierung investieren wollen.
Vorteile:
- Zinssätze unter Marktniveau
- Tilgungsfreie Anlaufjahre möglich
- Haftungsfreistellungen für die Hausbank (erleichtert die Kreditvergabe)
Wichtig: KfW-Kredite beantragst du nicht direkt, sondern über deine Hausbank. Sprich zuerst mit deiner Bank und erwähne den gewünschten KfW-Kredit.
Landesförderungen: Hier gibt es die meisten Zuschüsse
Die ergiebigsten Fördertöpfe sitzen oft auf Landesebene. Hier eine Übersicht der wichtigsten Programme:
Bayern: Digitalbonus (läuft bis Ende 2027)
Der bayerische Digitalbonus ist eines der bekanntesten Landesprogramme und läuft in der aktuellen Auflage bis 31.12.2027. Die Zuschusshöhen wurden zum 01.07.2024 allerdings gesenkt.
- Wer: KMU mit Sitz in Bayern, max. 250 Mitarbeiter
- Was: Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen, Prozessen + IT-Sicherheit
- Zuschuss: Standard bis zu 7.500 €, Plus bis zu 30.000 € (für Vorhaben mit besonderem Innovationsgehalt)
- Quote: bis zu 50 % der förderfähigen Ausgaben
- Besonderheit: Antrag online über das ELSTER-Unternehmenskonto
Nordrhein-Westfalen: Mittelstand Innovativ & Digital (MID)
- Wer: KMU mit Sitz in NRW
- Was: Digitalisierung und Innovation in Geschäftsprozessen (aktiver Gutschein: MID-Digitalisierung)
- Zuschuss: bis zu 15.000 €, 50 % der förderfähigen Kosten
- Besonderheit: Betreuung neuer Vorhaben seit 01.01.2026 über die NRW.BANK
!WARNINGDiese Landes-Zuschüsse sind ausgelaufen: Die Baden-Württembergische Digitalisierungsprämie Plus wurde zum 30.06.2025 eingestellt — Nachfolger ist die „Digitalisierungsfinanzierung" der L-Bank, ein Förderdarlehen mit Tilgungszuschuss (kein reiner Zuschuss mehr). Der Digitalbonus.Niedersachsen ist ebenfalls ausgelaufen. In Sachsen gibt es den früheren E-Business-Zuschuss nicht mehr in der aktuellen Programmliste — betriebliche Digitalisierung läuft dort heute über das Digi-D-Darlehen (30.000–250.000 €). Prüfe den aktuellen Stand immer bei deiner Landesförderbank. Stand: September 2026.
Weitere Bundesländer
Auch Hessen, Schleswig-Holstein, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und andere Bundesländer haben eigene Digitalisierungsförderungen — mal als Zuschuss, mal als Darlehen. Die Programme wechseln häufig, laufen aus oder werden neu aufgelegt. Prüfe die Website deiner Landesförderbank oder frag bei deiner Handwerkskammer nach.
!INFODeine Handwerkskammer ist die beste Anlaufstelle. Fast jede Handwerkskammer hat inzwischen einen Digitalisierungsberater, der dir kostenlos hilft, passende Förderprogramme zu finden und Anträge vorzubereiten. Diesen Service solltest du unbedingt nutzen — er ist bereits über deinen Kammerbeitrag finanziert.
Typische Förderbeträge: Was bekommst du in der Praxis?
Damit du ein Gefühl für die Größenordnungen bekommst, hier drei realistische Beispiele:
Beispiel 1: Kleiner Betrieb (3 Mitarbeiter, Bayern)
| Investition | Kosten |
|---|---|
| Branchensoftware (24 Monate Lizenz) | 3.600 € |
| Tablet für Baustelleneinsatz | 800 € |
| Einrichtung und Schulung | 1.600 € |
| Gesamt | 6.000 € |
| Digitalbonus Bayern (50 %) | -3.000 € |
| Eigenanteil | 3.000 € |
Beispiel 2: Mittlerer Betrieb (8 Mitarbeiter, NRW)
| Investition | Kosten |
|---|---|
| Branchensoftware (24 Monate, 8 User) | 9.600 € |
| 4 Tablets + Hüllen | 3.200 € |
| Zeiterfassungsterminal | 900 € |
| IT-Beratung und Einrichtung | 4.000 € |
| Mitarbeiterschulungen | 2.400 € |
| Gesamt | 20.100 € |
| MID-Digitalisierung NRW (50 % auf die Beratung, 4.000 €) | -2.000 € |
| Eigenanteil | ca. 18.100 € |
Beispiel 3: Komplettdigitalisierung (12 Mitarbeiter, Bayern)
| Investition | Kosten |
|---|---|
| Branchensoftware mit DATEV, E-Rechnung (24 Monate) | 18.000 € |
| Hardware (Tablets, Terminal, Drucker) | 6.000 € |
| IT-Infrastruktur (Cloud, Netzwerk) | 4.000 € |
| Beratung und Prozessoptimierung | 8.000 € |
| Mitarbeiterschulungen | 5.000 € |
| Gesamt | 41.000 € |
| Digitalbonus Bayern Standard (50 %, max. 7.500 €) | -7.500 € |
| Verbleibend (ggf. über KfW-Digitalisierungskredit finanzierbar) | 33.500 € |
!INFO Seit dem Auslaufen von „Digital Jetzt" gibt es keinen bundesweiten Zuschuss mehr, der solche Großvorhaben zur Hälfte deckt. Die Landes-Digitalboni sind gedeckelt (Bayern Standard 7.500 €, Plus bis 30.000 € bei besonderem Innovationsgehalt). Für den Rest bleibt der zinsgünstige KfW-Kredit — ein Darlehen, kein geschenktes Geld. Rechne dein Vorhaben deshalb so, dass es sich auch ohne Förderung trägt.
So stellst du einen erfolgreichen Förderantrag
Schritt 1: Bedarf klären
Bevor du einen Antrag stellst, definiere genau, was du digitalisieren willst. „Irgendwas mit Computer" reicht nicht. Formuliere konkret: „Wir wollen die Zeiterfassung digitalisieren, um die Arbeitszeit-Aufzeichnung sauber und nachweisbar zu erfüllen (die Aufzeichnungspflicht gilt seit dem BAG-Beschluss 2022) und den Verwaltungsaufwand um 5 Stunden pro Woche zu reduzieren."
Schritt 2: Passendes Programm finden
Nutze die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de) oder frage bei deiner Handwerkskammer nach. Oft kommen mehrere Programme in Frage — manche lassen sich sogar kombinieren.
Schritt 3: Kostenplan erstellen
Die meisten Programme verlangen einen detaillierten Kostenplan. Hole konkrete Angebote von Anbietern ein — Schätzungen reichen in der Regel nicht. Drei Vergleichsangebote sind bei manchen Programmen Pflicht.
Schritt 4: Antrag stellen
Fülle den Antrag sorgfältig aus. Beschreibe nicht nur, was du kaufen willst, sondern warum. Die Fördergeber wollen sehen, dass die Investition deinen Betrieb nachhaltig verbessert. Begriffe wie „Effizienzsteigerung", „Wettbewerbsfähigkeit" und „Mitarbeiterqualifizierung" kommen gut an.
Schritt 5: Warten und erst dann investieren
Nach der Antragstellung musst du auf die Bewilligung warten. Das kann je nach Programm 2-12 Wochen dauern. Investiere nichts vor der Bewilligung — sonst verlierst du den Förderanspruch.
Schritt 6: Investieren und dokumentieren
Nach der Bewilligung setzt du dein Vorhaben um. Hebe alle Rechnungen, Verträge und Zahlungsbelege auf. Die meisten Programme verlangen einen Verwendungsnachweis — also den Beweis, dass du das Geld tatsächlich für den beantragten Zweck ausgegeben hast.
Häufige Fragen zu Digitalisierungsförderungen
Kann ich mehrere Förderprogramme kombinieren?
Grundsätzlich ja, solange die Gesamtförderung nicht über 100 % der Kosten hinausgeht und die einzelnen Programme eine Kombination nicht ausschließen. Bundes- und Landesprogramme lassen sich oft kombinieren. Prüfe die Förderrichtlinien oder frag bei der bewilligenden Stelle nach.
Mein Betrieb hat nur 2 Mitarbeiter — bekomme ich trotzdem Förderung?
Ja, viele Programme stehen auch Kleinstbetrieben offen. Landes-Digitalboni haben oft keine oder eine sehr niedrige Mindestmitarbeiterzahl, und die kostenlose Beratung der Mittelstand-Digital Zentren steht ohnehin jedem Betrieb offen. Landesförderungen sind häufig auch für Einzelunternehmer zugänglich — prüfe die konkrete Richtlinie deines Bundeslandes.
Werden auch Cloud-Abonnements gefördert?
Häufig ja, aber meist nur für einen begrenzten Zeitraum (12-24 Monate). Laufende monatliche Kosten sind danach selbst zu tragen. Der Gedanke: Die Förderung senkt die Einstiegshürde, aber der laufende Betrieb muss sich selbst tragen.
Wie lange dauert es von der Antragstellung bis zum Geld?
Rechne mit 3-6 Monaten für den gesamten Prozess: Antragstellung (1-2 Wochen Vorbereitung), Bewilligung (2-12 Wochen), Umsetzung (individuell), Verwendungsnachweis (2-4 Wochen), Auszahlung (4-8 Wochen nach Nachweis). Plane entsprechend voraus.
Was ist, wenn mein Förderantrag abgelehnt wird?
Eine Ablehnung ist kein Weltuntergang. Frag nach dem Grund — oft sind es formale Fehler, die sich korrigieren lassen. Alternativ prüfe andere Programme. Und manchmal lohnt sich die Investition auch ohne Förderung: Wenn ein Tool dir 5 Stunden pro Woche spart, rechnet es sich trotzdem schnell.
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Digitalisierung im Handwerksbetrieb
Zeiterfassung, Projektmanagement und digitale Werkzeuge für Handwerker
Software-Redaktion
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Quelle: werkstatt-ratgeber.de/ratgeber/digitalisierung-handwerk-foerderung




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