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Was ist ein Riementrieb?
Ein Riementrieb überträgt Drehbewegung und Kraft von einer Antriebswelle auf eine Abtriebswelle mittels eines umlaufenden Riemens über Riemenscheiben. Im Handwerksbereich kommen Riementriebe in Ständerbohrmaschinen, Drechselbänken, Bandsägen, Kompressoren und Hobelmaschinen zum Einsatz. Die Drehzahl wird über das Durchmesserverhältnis der Riemenscheiben eingestellt — ein großes Antriebsrad und ein kleines Abtriebsrad ergeben eine höhere Drehzahl an der Abtriebswelle.
Anwendung in der Praxis
Der Riementrieb hat gegenüber dem Direktantrieb (Motor direkt an der Arbeitsspindel) wichtige Vorteile: Er dämpft Stöße, gleicht Wellenversatz aus und ermöglicht stufenlose oder gestufte Drehzahlanpassung. Bei der klassischen Ständerbohrmaschine wechselt man den Keilriemen zwischen verschiedenen Riemenscheiben-Stufen, um die Drehzahl anzupassen — kleine Bohrer brauchen hohe Drehzahl (3.000 U/min), große Bohrer niedrige (300 U/min). Moderne Maschinen setzen Flachriemen oder Poly-V-Riemen ein, die leiser laufen und höhere Leistung übertragen. Bei Kompressoren verbindet der Keilriemen den Elektromotor mit dem Verdichterkopf und ermöglicht die Untersetzung auf niedrigere Drehzahlen.
Wichtige Kennzahlen
- Übersetzungsverhältnis: i = D_Abtrieb / D_Antrieb
- Keilriemenprofil: SPZ, SPA, SPB (genormt nach DIN 7753)
- Poly-V-Riemen: Profil PJ, PK, PL, PM
- Riemenspannung: 10–15 mm Durchbiegung pro 100 mm Trummlänge
- Schlupf: 1–2 % (normal), > 3 % = Nachspannen
- Wirkungsgrad: 95–98 % (Keilriemen), 97–99 % (Zahnriemen)
- Lebensdauer: 3.000–10.000 Betriebsstunden
Verwandte Begriffe
- Totpunkt Motor — Motorengrundlagen
- Drehzahlregelung — Elektronische Alternative
- Druckluft (bar/PSI) — Kompressoren mit Riementrieb
- Abrichthobel — Stationäre Maschine mit Riementrieb
- TCO-Rechner — Betriebskosten stationärer Maschinen
Praxis-Tipp
Prüfe die Riemenspannung monatlich mit dem Daumen-Test: Drücke den Riemen in der Mitte des längsten freien Trums — er sollte sich ca. 10–15 mm pro 100 mm Trummlänge durchdrücken lassen. Zu loser Riemen = Schlupf, Überhitzung, schneller Verschleiß. Zu strammer Riemen = Lagerschaden an den Wellen. Ersetze Keilriemen immer satzweise — ein neuer und ein alter Riemen auf einer Doppelscheibe laufen auf unterschiedlicher Höhe und teilen die Last ungleich auf.
Werkstatt-Ratgeber Redaktion
Fachredaktion — geprüft und aktualisiert
Quelle: werkstatt-ratgeber.de/lexikon/riementrieb

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