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Inhaltsverzeichnis
WICHTIGER SICHERHEITSHINWEIS: Arbeiten an der elektrischen Anlage dürfen in Deutschland nur von eingetragenen Elektrofachkräften ausgeführt werden (§ 13 NAV, VDE 0100). Dieser Artikel dient der Planung — die fachgerechte Ausführung und Abnahme muss ein zugelassener Elektroinstallateur übernehmen. Fehlerhafte Elektroinstallationen sind lebensgefährlich und können zu Bränden führen. Bei Versicherungsschäden durch Eigenleistung ohne Fachbetrieb erlischt der Versicherungsschutz.
Die Planung einer Elektroinstallation ist der entscheidende Schritt, der über Komfort und Sicherheit in deinem Zuhause bestimmt. Ob Renovierung oder Neubau — wer vorher gründlich plant, spart Geld und vermeidet teure Nacharbeiten. In diesem Leitfaden erfährst du, wie du deine Elektroinstallation systematisch planst und was du beim Gespräch mit dem Elektrofachbetrieb beachten musst.
Warum Planung so wichtig ist
Eine nachträgliche Steckdose kostet 80–150 EUR, wenn die Wände bereits verputzt sind. In der Rohbauphase kostet sie 15–25 EUR. Der Unterschied erklärt, warum eine gründliche Vorplanung bares Geld spart.
Die Norm DIN 18015-1 definiert Mindestausstattungen für Wohngebäude in drei Stufen. Die meisten Neubauten werden nach Ausstattung 2 oder 3 geplant — das sind deutlich mehr Steckdosen und Stromkreise, als man zunächst denkt.
Materialliste (für die Planung)
- Grundrissplan im Maßstab 1:50 oder 1:100
- Bleistift und Radiergummi
- Installationssymbole (DIN 40900)
- Transparentpapier für Varianten
- Tabelle der Installationszonen (DIN 18015-3)
- Checkliste Mindestausstattung (DIN 18015-1)
Werkzeug
Hinweis: Die folgende Werkzeugliste dient der Information. Die Ausführung übernimmt der Elektrofachbetrieb.
- Leitungssuchgerät (für Bestandsaufnahme bei Renovierung)
- Spannungsprüfer (zweipoliger Duspol)
- Isolationsmessgerät
- Schleifenimpedanzmessgerät
- Abisolierzange und Crimpwerkzeug
Bosch GMS 120 Professional Leitungssuchgerät (Ortungsgerät)
Findet Stromleitungen, Metall und Holzbalken in der Wand. Unverzichtbar bei Renovierungen, um vorhandene Leitungen nicht anzubohren. Auch für Heimwerker sinnvoll.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Bei Renovierungen ist die Bestandsaufnahme der wichtigste erste Schritt. Dokumentiere:
- Zählerplatz: Wo sitzt der Stromzähler? Gibt es einen modernen Zählerschrank oder einen alten Sicherungskasten mit Schraubsicherungen?
- Unterverteilungen: Gibt es Unterverteilungen in einzelnen Stockwerken?
- Leitungsquerschnitte: Alte Installationen (vor 1970) haben oft nur 1,5 mm² Aluminiumleitungen — die müssen komplett ersetzt werden.
- Schutzeinrichtungen: Sind FI-Schutzschalter (RCDs) vorhanden? Seit der Norm VDE 0100-410:2018 müssen alle Steckdosenstromkreise mit 30 mA RCD geschützt sein.
- Erdung: Ist ein Fundamenterder vorhanden oder nur ein altes TN-C-Netz mit klassischer Nullung?
Warnzeichen für eine veraltete Anlage: Schraubsicherungen statt Automaten, nur zwei Sicherungskreise für die gesamte Wohnung, keine FI-Schutzschalter, Aluminiumleitungen, Stoffisolierung auf Leitungen.
Bei Neubauten entfällt die Bestandsaufnahme — hier startest du direkt mit dem Schaltplan.
Schritt 2: Schaltplan erstellen
Zeichne auf dem Grundrissplan ein, wo du Steckdosen, Schalter, Leuchten und Festanschlüsse benötigst. Verwende die Standard-Installationssymbole nach DIN 40900.
Mindestausstattung nach DIN 18015-1 (Ausstattungswert 2):
| Raum | Steckdosen | Beleuchtungsanschlüsse |
|---|---|---|
| Wohnzimmer (20 m²) | 7 | 2 |
| Schlafzimmer | 5 | 2 |
| Kinderzimmer | 5 | 2 |
| Küche | 8 (davon 4 über Arbeitsplatte) | 2 |
| Bad | 2 (Spiegel + Föhn) | 2 |
| Flur | 2 | 2 |
| Keller/Abstellraum | 2 | 1 |
Installationszonen nach DIN 18015-3: Leitungen dürfen nur in definierten Zonen verlegt werden (waagerecht auf 15 cm, 30 cm oder 105 cm Höhe, senkrecht neben Türen und Fenstern). Außerhalb dieser Zonen droht Gefahr beim späteren Bohren.
Profi-Tipp: Denke an die Zukunft. Plane Leerrohre ein, durch die später zusätzliche Leitungen gezogen werden können — für Netzwerk, Smart Home oder zusätzliche Verbraucher. Ein Leerrohr kostet wenig und spart bei Nachrüstungen enorm.
Schritt 3: Stromkreise planen
Verteile die Verbraucher sinnvoll auf einzelne Stromkreise. Die Grundregel: Fällt ein Stromkreis aus, soll nicht gleich das ganze Haus dunkel sein.
Mindestanforderung nach DIN 18015-1:
- Beleuchtung und Steckdosen auf getrennten Kreisen
- Küche: mindestens 2 Steckdosenkreise + Herd-Anschluss (eigener Kreis)
- Bad: eigener Stromkreis mit 30 mA RCD
- Waschmaschine/Trockner: eigener Kreis
- Außenbereich: eigener Kreis mit 30 mA RCD
- Gefrierschrank: eigener Kreis (damit er bei Überlast anderer Geräte nicht ausfällt)
Praxisempfehlung: Pro Raum ein eigener Stromkreis für Steckdosen. Das klingt nach Overkill, aber bei modernen Wohnungen mit Home-Office, Unterhaltungselektronik und Küchengeräten ist jeder Kreis schnell ausgelastet.
Für eine 4-Zimmer-Wohnung planst du mit mindestens 10–14 Stromkreisen — das entspricht einer 3-reihigen Unterverteilung.
Schritt 4: Kabelquerschnitte berechnen
Der Leitungsquerschnitt muss zur Absicherung und zur Verlegeart passen. Die Norm VDE 0298-4 regelt die Zuordnung.
Standard-Zuordnung für Wohngebäude:
| Verwendung | Querschnitt | Absicherung |
|---|---|---|
| Beleuchtung | 1,5 mm² NYM | 10 A oder 16 A |
| Steckdosen | 2,5 mm² NYM | 16 A |
| Durchlauferhitzer | 6 mm² NYM | 32 A |
| Herdanschluss | 5 × 2,5 mm² NYM | 3 × 16 A |
| Sauna/Wallbox | 6 mm² NYM | 32 A |
| Hauptzuleitung | 10 oder 16 mm² NYM | nach Berechnung |
NYM-Leitung (Mantelleitung) ist der Standard für die feste Installation in Wohngebäuden. Die Bezeichnung „NYM-J 3×1,5" bedeutet: 3 Adern mit je 1,5 mm² Querschnitt, mit grün-gelbem Schutzleiter (J).
Bei langen Leitungswegen (über 20 m) muss der Spannungsfall berücksichtigt werden. Er darf maximal 3 % betragen — sonst muss ein größerer Querschnitt gewählt werden.
Schritt 5: Sicherungen dimensionieren
Jeder Stromkreis braucht einen passenden Leitungsschutzschalter (LS-Schalter / Sicherungsautomat). Die Nennstromstärke des LS-Schalters muss kleiner oder gleich der Belastbarkeit der Leitung sein.
Kennlinien:
- B-Automat (B16, B13, B10): Standard für Wohngebäude. Löst bei 3–5-fachem Nennstrom sofort aus.
- C-Automat: Für Motoren und Geräte mit hohen Einschaltströmen (z. B. Kompressoren).
FI-Schutzschalter (RCD): Nach aktueller VDE 0100-410 müssen alle Steckdosenstromkreise bis 32 A mit einem 30-mA-RCD geschützt sein. Empfehlung: Selektive Aufteilung mit mehreren 2-poligen RCDs statt einem einzigen 4-poligen — so legt ein Fehlerstrom nicht die ganze Wohnung lahm.
AFDD (Brandschutzschalter): Die DIN VDE 0100-420 empfiehlt Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen für Schlafräume, Kinderzimmer und Fluchtwege. Sie erkennen serielle Lichtbögen in beschädigten Leitungen und schalten ab, bevor ein Brand entsteht.
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Der Standard-Spannungsprüfer für Elektriker. Zweipolig (sicherer als einpolige Phasenprüfer), LCD-Anzeige, Durchgangsprüfung und Drehfeldrichtung.
Schritt 6: Material bestellen
Erstelle eine detaillierte Materialliste auf Basis deines Schaltplans. Berechne die Kabellängen aus dem Grundriss und addiere 15 % Aufschlag für Schleifen, Verlegereserve und Fehler.
Typischer Materialbedarf für eine 3-Zimmer-Wohnung (Komplettsanierung):
- 200–300 m NYM-Leitungen (verschiedene Querschnitte)
- 30–40 Steckdosen (Unterputz)
- 15–20 Schalter und Taster
- 1 Unterverteilung (3-reihig, 36 TE)
- 10–14 LS-Schalter
- 3–4 FI-Schutzschalter (30 mA)
- Hohlwanddosen, Schalterdosen, Verbindungsdosen
- Installationsrohre, Kabelkanäle, Befestigungsmaterial
Profi-Tipp: Bestelle Schalter und Steckdosen aus einem Programm (z. B. Busch-Jaeger, Gira, Merten, Jung). Die Rahmen und Einsätze sind innerhalb eines Programms beliebig kombinierbar, aber nicht zwischen verschiedenen Herstellern.
Rechne bei der Materialbestellung mit 800–1.500 EUR für das Material einer 3-Zimmer-Wohnung. Die Arbeitskosten des Elektrikers kommen obendrauf (1.500–4.000 EUR je nach Aufwand).
Schritt 7: Abnahme durch Elektriker
Nach Abschluss der Installation muss eine eingetragene Elektrofachkraft die gesamte Anlage prüfen und abnehmen. Das ist keine optionale Empfehlung, sondern gesetzliche Pflicht nach VDE 0100-600.
Die Abnahme umfasst:
- Sichtprüfung: Korrekte Verdrahtung, mechanischer Schutz, Zugentlastung
- Isolationsmessung: Mindestens 1 MΩ zwischen allen Leitern
- Schleifenimpedanzmessung: Überprüfung der Abschaltbedingungen
- RCD-Prüfung: Auslösezeit und Auslösestrom messen
- Schutzleiterwiderstand: Durchgängigkeit des Schutzleiters
Das Ergebnis wird in einem Messprotokoll dokumentiert. Dieses Protokoll brauchst du für die Versicherung und beim Verkauf der Immobilie. Ohne Abnahmeprotokoll haftest du persönlich bei Schäden.
Kosten der Abnahme: Eine reine Abnahme (ohne Installationsarbeit) kostet je nach Umfang 150–400 EUR — ein Bruchteil der Gesamtkosten und eine lebenswichtige Investition.
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Kompakte 3-reihige Unterverteilung mit 36 Teilungseinheiten — ausreichend für eine komplette Wohnung. Unterputzmontage für ein sauberes Erscheinungsbild.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu wenige Steckdosen: Der häufigste Planungsfehler. Plane doppelt so viele wie du denkst — jede Steckdose, die später nachgerüstet werden muss, kostet ein Vielfaches.
- Kein FI-Schutzschalter im Bad: Pflicht seit Jahrzehnten, trotzdem in Altbauten oft fehlend. Bei Renovierung nachrüsten!
- Nur ein Stromkreis für die Küche: Modernes Kochen mit Induktionsherd, Backofen, Geschirrspüler, Mikrowelle und Küchenmaschine braucht mindestens 3 separate Kreise.
- Keine Leerrohre: Heute nicht benötigte Leitungswege (Netzwerk, Smart Home) werden morgen gebraucht. Leerrohre kosten fast nichts und sparen tausende Euro.
- Eigenleistung ohne Fachkraft: Auch wenn du „nur" Schlitze stemmen willst — sprich dich vorher mit dem Elektriker ab. Falsche Schlitzführung beschädigt die Statik.
Kosten im Überblick
| Position | Kosten (3-Zimmer-Whg.) |
|---|---|
| Elektromaterial (komplett) | 800–1.500 EUR |
| Elektriker-Arbeitsleistung | 1.500–4.000 EUR |
| Zählerschrank (Erneuerung) | 400–800 EUR |
| Abnahme und Messprotokolle | 150–400 EUR |
| Gesamt | 2.850–6.700 EUR |
Einzelne Stromkreise nachzurüsten kostet 200–500 EUR pro Kreis (bei verputzten Wänden).
Fazit
Die Planung der Elektroinstallation entscheidet über den Komfort für die nächsten 30+ Jahre. Nimm dir ausreichend Zeit, plane großzügig mit Steckdosen und Stromkreisen und investiere in Leerrohre für die Zukunft. Die Ausführung gehört ausnahmslos in die Hände eines eingetragenen Elektrofachbetriebs — bei der Elektrik gibt es keinen Raum für Kompromisse bei der Sicherheit.
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Werkstatt-Ratgeber Redaktion
Fachredaktion — geprüft und aktualisiert
Quelle: werkstatt-ratgeber.de/ratgeber/elektroinstallation-planen-anleitung







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